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Man weiß nur, was man sieht
Verfasst von Hans-Juergen Bucher unter Allgemein am 2. Juli 2009
„Man sieht nur, was man weiß“ heißt ein eingängiger Slogan, mit dem eine deutsche überregionale Tageszeitung über mehrere Jahre für sich geworben hat. Dahinter steckt natürlich nicht nur ein kluger Kopf, sondern auch ein gewisses Maß an PR für den Text als wichtigsten Informationsträger – und für Journalisten, die sich als Autoren den visuellen Kollegen überlegen glauben.
Das Gegenprogramm zu dieser Auffassung beinhaltet der Slogan „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ – viel zitiert und ebenso oft kritisiert. Natürlich sagen Bilder erstmal gar nichts. Jemand kann höchstens mit Bildern etwas sagen – und dazu bedarf es einer Kontextualisierung dieses Bildes. Bilder sind meistens mehrdeutig und aus sich selbst heraus oft auch nicht verständlich. Allerdings können Bilder etwas, was Texte nicht können: sie können auf einen Schlag etwas zeigen. Wir sehen plötzlich einen Zusammenhang (wo vorher keiner war), uns geht ein Licht auf, es fällt uns wie Schuppen von den Augen, wir haben den Durchblick, finden eine neue Perspektive und sehen etwas Bekanntes auf einmal mit ganz anderen Augen. Erkennen ist offensichtlich auch ein optischer Vorgang.
In unserem Blog wird deshalb das Prinzip von der Dominanz des Wissens umgedreht: Man weiß nur, was man sieht.
Belege für die Angemessenheit dieses Prinzips finden sich auch in der Wissenschaftsgeschichte, wenn bildgebende Verfahren plötzlich zu neuen Entdeckungen führen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Erklärung einer Cholera-Epidemie in London im Jahre 1854 durch den englischen Arzt John Snow. Er hatte alle Todesfälle in einen Stadtplan eingetragen und so eine Art Informationsgrafik geschaffen, die ihm zeigte, dass die Todesfälle gehäuft in der Umgebung einer Wasserpumpe auftraten. Die Abbildung zeigte ihm aber auch, dass es im Umfeld eines Brauhauses keine Todesfälle gab: die dort Beschäftigten hatten ihren Durst offensichtlich mit der entsprechend attraktiveren Flüssigkeit gelöscht. Snow konnte mit Hilfe seiner Visualisierung zeigen, dass es eben nicht die „Dünste“ der stinkenden Abwässerkanäle in London waren, die die Cholera auslösten, sondern das Trinkwasser.
Natürlich hätten auch die Krankenakten die erforderlichen Informationen enthalten. Sie aber lenken den Blick auf den Einzelfall, während die Visualisierung der Todesfälle in einem Stadtplan den Vergleich zwischen Infizierten und Nichtinfizierten eröffnet und die relevanten Unterschiede vor Augen führt.
Auch in diesem Blog soll etwas sichtbar gemacht werden: die Strukturen wissenschaftlicher Vorträge - ihre DNA.

Vortrags-DNA | Visualisierung der Struktur eines wissenschaftlichen Vortrags
Visualisierbar gemacht werden die Bausteine wissenschaftlicher „performance“ durch die Rekonstruktion der Art und Weise, in der sie wahrgenommen werden. Mit Hilfe der Blickaufzeichnung wird erfasst, wie Personen aus dem Publikum wissenschaftliche Vorträge mit digitalen Präsentation verfolgen, was sie lange, kurz, oder gar nicht wahrnehmen, wie viel Aufmerksamkeit sie dem Redner schenken, und welche Arten von Folien die höchste Aufmerksamkeit erzielen können.
Eine solche DNA-Analyse wissenschaftlicher Vorträge zeigt die Visualisierung im Kopf unseres Blogs. Was sie genau zeigt, wie sie zu lesen ist und welche Konsequenzen man daraus für erfolgreiches Präsentieren ziehen kann – das können Sie ab jetzt in diesem Blog nachlesen.







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